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Born to be wild
Dieser Reisebericht soll anders als die anderen sein. Ich möchte nicht über Fahrzeugbesichtigungen und die unglaublichen Dinge berichten, die uns immer wieder auf unseren Reisen passieren. Ich möchte vielmehr über Freundschaft, wundervolle Landschaften, endlose Weiten und eines der typischen Männerdinge „Du und Dein Bike quer durch die USA“ schreiben.
Ja, ja werden jetzt einige denken, noch so ein Mittvierziger, der noch einmal auf richtig dicke Hose und jung machen will… und Sie haben recht ;-) stolz bin ich …schämen gibt es nicht, zurück auch nicht mehr, wir sind halt so alt wie wir uns fühlen…. Gott sei Dank fühl ich mich wie vierzig, Harley fahren mit Mitte zwanzig ist irgendwie Scheiße und kommt nicht besonders cool rüber ;-)
Alles fing mit unserer vorletzten Reise und den Einladungen auf eine Motorrad-Tour nach Sturgis an. Ein guter Bekannter, der seit einigen Jahren mit seiner Familie in Kalifornien lebt, lud mich ein, ihn und einige seiner Freunde auf dem Trip zu begleiten. Klaus ist vor über 9 Jahren mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen aus Deutschland ausgewandert und lebt hier seinen ganz persönlichen Traum. Als er ankam, hatte er kaum das Geld für Auto, Haus und Essen in der Tasche, hielt sich mit unzähligen Jobs über Wasser, aber am Ende siegte doch seine Beharrlichkeit. Er hat es zu einigem gebracht und verschifft Oldtimer und Motorräder nach Deutschland. Er ist uns in den USA eine große Stütze, ohne fremde Hilfe geht es hier einfach nicht. Wer also heiße Muscle Cars und Custom Bikes sucht, hier ist eine Adresse „Checkpoint66“.
Er ließ mich auf seinem brandneuen Motorrad fahren, eine HARLEY DAVIDSON Street Glide schwarz und da war ich auch schon infiziert. Aber wo in aller Welt liegt Sturgis? Und was soll an dem Örtchen so besonders sein? Ich sollte es bald erfahren und schlug ein.
Klaus besorgte mir in der Zwischenzeit noch eine HARLEY DAVIDSON, eine Ultra Classic Baujahr 2001, schwarz auf schwarz, Verkleidung, Koffer, komfortable Sitze, ein fahrendes Sofa sozusagen. Ich wusste gar nicht, dass Motorräder auch mit Sitz- und Griffheizung sowie Tempomat ausgestattet sind. Meine erste Fahrt war unbeschreiblich… eine neue Leidenschaft war geboren!
An einem Samstag Mittag ging es dann los. Von Vista (San Diego), Las Vegas, Salt Lake City, über die Rocky Mountains directly to Sturgis. Man(n) das ist am A… der Welt, hier muss der Begriff Landei seinen Ursprung haben… hier sagt der Kojote dem Hasen noch persönlich “Hey Deine letzte Stunde hat hier und jetzt geschlagen”… hier gibt es nichts außer Prärie, Rinder und eine Million Wahnsinnige, die dem Motorrad und dem wilden Leben die endlose Treue schwören „NICHTS“… NICHTS außer mir und meinem Motorrad - …hier will ich hin ….hier möchte ich für Endlos bleiben und dem Takt meines V-Motors lauschen!
Klaus hatte die Reise gut geplant, zwei fahren, die anderen sitzen im Van und schauen DVD. Er hat extra einen Dodge Van und Anhänger in Harley Design für die Bike Tour rechtzeitig auf die Straße gebracht. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass hier alle ein wenig „Bluna“ und unter der kalifornischen Sonne extremen Einflüssen ausgesetzt sind? Macht nichts, in den USA gilt in dieser Zeit Artenschuss ist letzter Schuss… sonst wäre ich wohl nicht hier und schon längst unter den Langzeittoten ;-))) …ich bin die zweite Hälfte der über 2400 Meilen (1 Meile sind 1,6 km) Anreise gefahren.
Es sind endlose Meilen! Ich hörte fortwährend den Song „Sweet Home Alabama“ … ich dachte noch „Du mich auch, Du Landei“ und dann war ich schon mitten drin, im verrückten Eldorado. Auf der Fahrt dorthin war mir alles so sch… egal, Stress und Unstimmigkeiten, die Trennung von einem meiner Geschäftspartner ….es war wie auf einem fremden Planeten…. ich habe mich selten so entspannt und frei gefühlt. Dieses Gefühl habe ich gesucht, warum sind eigentlich die 2400 Meilen so schnell vorübergezogen… dieses Land ist einfach schön!“
Wir kamen auf einem Montag Mittag an, Haus eingecheckt, ausgepackt, Bike in die Garage gestellt…. „Klaus sag mal, fahren wir heute noch irgendwo hin?“ Er lacht und holt demonstrativ die Karte aus dem Rucksack: „Wir sind hier doch nicht zum Eier schaukeln, wir sind hier zum Fahren… sagt er und grins dabei!“
Er betont das Wort FAHREN so heftig, dass ich für einen Moment überlegen muss… ja natürlich sind wir hier zum Fahren, was sonst wohl ;-) …was willst du auch außer Biken und Feiern hier machen… warum frage ich eigentlich so dämlich DU Depp??? … Ich weiß, ich weiß „ICH NOCH GREENHORN DIE ANDEREN SCHON OLDHORN ;-)
Am Abend sind wir dann den endlosen Weg durch Sturgis gefahren (Schneckentempo) und ab zum Rockkonzert. KISS hat gespielt…. Und was gehört zu Hartrock? Richtig, Sekt und offene Blusen …da ist doch die Musik fast Nebensache ,-) …da zählen nur schöne Mädels, Bier, offenes Feuer… und? Klar, KISS war auch cool, all die Songs aus meiner frühen Jugend… eh, die Jungs wirken gar nicht wie über 50 ;-) …und die meisten sind viel älter als ich …also doch, ich noch Greenhorn: denk ich ;-)
Unsere erste Tour führt zum Monument Crazy Horse. Kennt einer von Euch die Geschichte? NEIN? …OK kurz erzählt: 1949 bekommt ein Bildhauer von dem Indianerstamm Sioux den Auftrag ein Monument größer als das Monument Mount Rushmore, die 4 Präsidentenköpfe, zu bauen. Ich weiß nicht, ob Herr Kapinsky (oder so ähnlich) schon damals wusste, dass er und seine direkten Nachkommen das fertige Monument niemals zu sehen bekommen würden. Da haut einer über 50 Jahre mit Meißel und Hammer in den Berg und sieht letztendlich nur Trümmer und Gesteinsmassen. Abstraktionsvermögen ist alles, Glaube versetzt Berge und rückt alle weiter zusammen …wirklich beeindruckend, was ein Mann so alles bewegen kann.
Die Fahrt führte weiter durch einen Canyon…. ich und mindestens 200.000 Biker. Ich weiß nicht was monomentaler war… Crazy Horse oder die vielen Motorradfahrer. Ich zählte die Meilen eines jeden gefahrenen Reifenkilometer und stellte mir vor wie viele Biker hier wohl in den letzten 50 Jahren vorbeigefahren sind … JA auch ich habe Abstraktionsvermögen ;-)
Am zweiten Tag sind wir nach Deadwood City und Mount Rushmore gefahren. In Deadwood City haben sich vor einer Million Jahren Doc Holliday und die sieben Musketiere eine wilde Kanonenschlacht geliefert. Millionenfach verfilmt… ich glaube dafür gab es auch irgendwann einmal einen Oscar! Was ich allerdings viel interessanter fand, waren die vielen coolen Motorräder, aufgereiht wie auf einer Perlenschnur am Straßenrand und die skurrilen Menschen. Da fiel ich doch gar nicht mehr auf mit meinem Cowboy-Hut und den Boots in Zweifachmuster. Abends auf der Rückfahrt zum Haus hat uns dann noch ein Unwetter überrascht…. Gott sei Dank hat Klaus Radio gehört, sonst hätten uns die Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle u.U. vom Motorrad geholt… für mein neues Baby habe ich gleich freiwillig mein Jackett hergegeben, nicht dass es eine Beule von sich trägt ;-)
Am Abend sind wir wieder nach Sturgis gefahren und über den Strip gebummelt. Jeder hat sich dafür rausgeputzt, sexy Outfits, cooles Shirts… mir wurden Chaps verpasst… das sind die Dinger, mit dem die Bee Gee Boys auf der Bühne „YMCA“ gesungen haben …no, hold on a second …nein, es waren nicht die Bären Brüder sondern die Village Peoples… nur gut, das ich den A…… nicht frei tragen musste, eh - man(n) könnte sonst denken, ich komm nicht aus Norddeutschland, wo es meistens regnerisch ist und eine solche Hosenpracht schnell zu einer schweren Blasenentzündung führen kann, sondern aus North Hollywood Town. Schwamm drüber, ich fand mich cool und alles andere ist doch sowieso Nebensache.
Wir sind von einer verrückten Location zur nächsten gezogen, haben ein Bier nach dem anderen getrunken… hey Biker können wirklich feiern, so kannte ich es nur aus dem Fernsehen …und jetzt war ich mitten drin ;-) ….nee bitte, das meint ihr doch nicht ernst …“WILLST DU ZU UNS GEHÖREN ODER NICHT? DA MUSST DU JETZT DURCH!“ hörte ich sagen …ich stimm zu, was blieb mir auch übrig, ein zurück gab es nicht, jetzt musste ich zur Biker Taufe… alles war arrangiert und bei der freundlichen Bardame bestellt.
FREUNDLICH? …ich würde eher sagen sexy und sie hatte zwei erschlagende Argumente - zwei großproportionierte Barflügel… an dem einen Flügel saßen meine Freunde und filmten alles, an dem anderen war ich. Fast alleine, alle gingen beiseite, schrieen irgendwelche Worte hinüber wie „Lick her Boobs“ oder so :-)
Unbeirrt blieb ich stehen und schaute ihr zu. Sie rückte näher und goss sich braunen Tequilla in den Schlund, streute sich Salz auf ihren Bauch, drückte mich an ihre Brust und Bauch…. und warf mir eine Geste herüber, wusste erst gar nicht was sie wollte… drückte mich wieder fest an sich, zwischen ihre Brüste runter zu ihrem Bauch. Jetzt wusste ich was sie wollte, ich leckte an ihrem Bauch …wie viele hier wohl schon vorher… ICH SPRECH DEN SATZ LIEBER NICHT ZU ENDE… drehte mich rückwärts zu sich, animierte mich meinen Mund zu öffnen, drückte ihren Mund an meinen und ließ den Braunen hinunterfließen… alle schrien um mich herum und jubelten, anschließend rieb sie meinen Kopf zwischen ihren Brüsten… JA so eine BIKER TAUFE ist eine ziemlich heiße Sache, da brennt nicht nur der Tequilla im Hals ;-) … zumindest gehöre ich jetzt amtlich dazu!
Den darauf folgenden Tag sind wir zum Devil Tower gefahren, die Tour dorthin war wunderschön… tolle Landschaften, Wälder… der Hügel war schon von weitem zu sehen…. sieht schon irgendwie unheimlich aus… das fand auch Steven Spielberg und drehte dort so’n außerirdischen Film. Danach sind wir durch den Badlands National Park gefahren. Dort leben… über 2000 freilaufende Büffel (Bisons)…. Wir haben auch gleich eine Herde gekreuzt... ich glaube es waren 500 Stück, die die Strasse überquerten… was für ein Erlebnis, diese Tiere sind riesig und doch so friedfertig. Zurück ging es über die Black Hills, ….ich weiß noch immer nicht wofür das „Black“ steht, ….zurück zu unser Hütte.
Glaubt mir, Motorradfahren ist anstrengend, ich hatte die ganzen Tage Muskelkater. Am Abend habe ich für die ganze Truppe noch gekocht, bevor es ein letztes Mal nach Sturgis ging. In Sturgis sollte ich ein Versprechen einlösen…. lange bevor ich dieser Reise mein Halleluja gegeben hatte, schloss ich eine Wette ab. Wenn ich Mitte Vierzig bin werde ich mir eine Harley kaufen und mich tätowieren lassen. Zurück und in Deutschland wollte ich mich nicht blamieren und hatte mich in eines der Tattoo-Studios verlaufen. Gemeinsam mit den Mädels meiner Mitreisenden habe ich mir ein schönes Motiv ausgesucht. Ich entschied mich für einen Namenszug, seit dem 7. August ziert der Name meiner Tochter meinen rechten Oberarm.
Am nächsten Morgen haben wir dann die Heimreise angetreten. Klaus und ich sind die erste Etappe über 1200 Meilen gefahren. Wir sind stundenlang durch die Prärie gefahren und haben außer ein paar Rindern keine Menschenseele gesehen. Man war das schön, ganz alleine mit einem Bikerfreund und dem besten Stück unterm Hintern. Irgendwann mussten wir auch mal tanken und sind mit den letzten Tropfen an einer alten Tankstelle zum stoppen gekommen…. Hinterwäldler pur, sie wollten wissen welche Sprache wir sprechen, …. nach einigem hin und her meinte einer evtl. japanisch… klar doch wir sehen mächtig wie Ninjakämpfer aus…. Pisa hätte hier keine Chance und würde schon im ersten Schuljahr als Bewertungsschema abgesetzt werden… macht nichts, zum Glück gibt es ja die Republikaner, die brauchen derzeit jede Stimme.
Die letzten Meilen sind die anderen gefahren, völlig erschöpft aber heil bin ich wieder in Vista angekommen und total erschöpft ins Bett gefallen. Diese Reise war anstrengend und erholend zu gleich. Ein absolutes Highlight meiner US-Reisen. Im nächsten Jahr will ich die kompletten USA-Staaten durchqueren und die Route 66 von Chicago nach Kalifornien runterfahren. Darauf freu ich mich jetzt schon.
Meinen Gastgebern möchte ich einen großen Dank aussprechen. Liebe Petra, lieber Klaus, mir haben die 8 Tage riesigen Spaß gemacht. Vielen Dank für die Einladung und die einzigartigen Momente.
Bye Bye Jens
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